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Euro-telework: Report on equality and telework in Europe
Ursula Huws
This report has been produced with the support of the European Commission, DG Employment and Social Affairs, under the European Social Fund (article 6). Views expressed within the report are those of the author and do not reflect the views of the European Commission.
Zusammenfassung [Deutsch]
Durch das Zusammentreffen von modernen Kommunikations- und Informations-technologien (IKT), wofür sich auch der Begriff der Telematik eingebürgert hat, befindet sich die Berufswelt als Zusammenspiel zwischen räumlicher und zeitlicher Organisation menschlicher Aktivitäten in einem tiefgreifenden Wandel. Vordergründig betreffen diese Veränderungen lediglich einen geringen Teil der Arbeitsverhältnisse, die vielfach auch als Telearbeitsplätze bezeichnet werden. Durch den Zusammenbruch der Einheit zwischen Zeit und Raum, die traditionellen Arbeitsverhältnissen zugrunde liegt, hat diese Entwicklung jedoch das Potential für weitreichende Auswirkungen auf den Prozess der kollektiven Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen, und könnte somit indirekt einen weitaus größeren Kreis der Arbeitnehmer in Bezug auf Fragestellungen wie z.B. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Entlohnung, Aus- und Weiterbildung, Führungs- und Managementsysteme, und Chancengleichheit betreffen.
Dieser Bericht beschäftigt sich insbesondere mit der letztgenannten Fragestellungen: Fragen betreffend der Förderung der Chancengleichheit.
Der Grundsatz der Chancengleichheit wird in diesem Bericht vor dem Hinter-grund der kollektiven Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen analysiert, wobei eine Reihe von Ungleichheitsmustern identifiziert werden, wie z.B.:
- Vertikale Segregationsmuster
: Wobei Führungspositionen vor allem von Angehörigen privilegierter gesellschaftlicher Gruppen (wie z.B. weiße, voll arbeitsfähige Männer) bekleidet werden, wohingegen benachteiligte Personen stärker in niedrigeren Tätigkeitsbereichen anzutreffen sind.
- Horizontale Segregationsmuster
: Bestimmte Gruppen finden sich verstärkt in bestimmten Sektoren, Unternehmensbereichen oder Tätigkeitsfeldern.
- Segregation durch Arbeitsvertragsgestaltung
: Angehörige privilegierter Gesellschaftsgruppen konzentrieren sich v.a. in beständigen, traditionellen Vollzeitarbeitsverhältnissen, während Beschäftigte aus benachteiligten Grupp-en sich tendenziell auf den Teilzeit-, Kurzzeitarbeits- oder den Leiharbeits-sektor konzentrieren, oder einer „scheinselbständigen" Tätigkeit nachgehen.
- Segregation durch Arbeitszeitgestaltung
: Bestimmte Gruppen finden sich verstärkt in weniger ansprechenden Schichtarbeits- oder Teilzeitarbeitsverhältnissen.
- Geographische Segregationsmuster
: Arbeitsplätze mit höheren und umfassender en Qualifikationsanforderungen und besseren Karrieremöglich-keiten sind vornehmlich in Büros in zentraler Lage, und Routinearbeitsplätze mit geringer en Qualifikationsanforderung und niedriger Entlohnung vorwiegend in Peripheriegebieten angesiedelt.
Im weiteren Verlauf erschließt der Bericht Risiken und Vorteile, die sich aus der Einführung von Telearbeit ergeben, und identifiziert die Auswirkungen dieser Segmentierung auf individuelle Gruppen von Arbeitnehmern. Für Bereiche, in denen besondere Risiken aufgezeigt werden, enthält der Bericht Anregungen zu konkreten Lösungsansätzen. In die Analyse fließen dabei die Ergebnisse und Erfahrungen der einzelnen Teammitglieder des Europäischen Telearbeitsprojekts ein, dass in fünfzehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie in Norwegen durchgeführt wird, und dabei Diskriminierung auf der Basis von Geschlecht, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit und Alter behandelt.
Zusammengefasst enthält der Bericht folgende Anregungen und Empfehlungen:
Auf der Ebene des individuellen Arbeitsplatzes
- Auf Wunsch soll Telearbeit im Rahmen eines regulären Arbeitsverhältnisses ermöglicht werden, und die rechtliche Gleichbehandlung von Arbeitnehmern im Betrieb und Telearbeitern muss sichergestellt werden
- Umgestaltung von Routineabläufen und monotonen Arbeitsinhalten, um ein gewisses Maß an Abwechslung und zwischenmenschlichen Kontaktmöglichkeiten sicherzustellen
- Sicherstellung, dass Entlohnungsschemata für niedrig qualifizierte Arbeitskräfte nicht auf rein quantitativen Kriterien beruhen
- Sicherstellung der Vermeidung von Diskriminierung, sowohl direkter als auch indirekter Art, in Hinblich auf die Selektion, den Zugang zu Schulungsmaßnahmen, und die Beförderungs- und Aufstiegschancen von Telearbeitern auf der Basis von Geschlecht, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit oder Alter
- Sicherstellung des Rechts von Telearbeitern auf die Rückkehr an einen Arbeitsplatz im Betrieb
- Sicherstellen, dass der Ort des Arbeitsplatzes bei der Diskussion um die Gleichstellung von Männern und Frauen nicht als unzulässiges Unterscheidungskriterium herangezogen wird
- Integration von Maßnahmen zur Telearbeit mit andern Maßnahmen, die auf die Förderung der Gleichbehandlung abzielen oder eine Verbesserung der Arbeits-Lebensbalance anstreben
- Gestaltung der Arbeitsumgebung mit Augenmerk auf einen problemlosen Zugang für behinderte Personen,
- Bei freiwilliger Wahl eines Telearbeitsverhältnisses als optimale individuelle Lösung müssen die Kosten für notwendige Adaptierungsmaßnahmen und die benötigte Ausstattung vom Arbeitgeber getragen werden
- Arbeitsabläufe und –inhalte sollen dahingehend überprüft werden, inwieweit diese von Personen mit bestimmten Behinderungen erfüllt werden können. Gegebenenfalls sollten Stellenbeschreibungen flexibler gestalten werden, damit sie einen möglichst großen Bewerberkreis ansprechen.
- Schaffung von Audit-Verfahren und Trainingsprogrammen für eine umfassende Bewusstseinsbildung zur Situation von behinderten Personen
- Integration von behinderten Personen in den Prozess der Gestaltung von telearbeitsbezogenen Entscheidungen
- Einsatz von Mentoring-Programmen bei der Einschulung von behinderten Arbeitnehmern
- Umfassende soziale Integration von Behinderten
- Trainings- und Computerprogramme sollen in den verschiedenen betriebsrelevanten Sprachen verfügbar sein
- Durchführung von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Vorteile einer multikulturellen Belegschaft. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und einer zunehmend multikulturellen Bevölkerungsstruktur sind Arbeitnehmer aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen nicht nur ein Vorteil, sondern oft eine notwendige Vorraussetzung für eine effektive serviceorientierte Kundenbetreuung
- Schaffung von Trainingsprogrammen, die den Bedürfnissen älterer Arbeitnehmer entsprechen, vor allem in Fragen betreffend des Inhalts und der Aufbereitung der Unterlagen, wie z.b. durch die Verwendung angemessener Schriftgrößen
- Durchführung von Fähigkeitsaudits um das volle Fähigkeitspotential älterer Arbeitnehmer zu erkennen (Erfahrungen in der Erziehung Jugendlicher können z.B. eine wertvolle Basis für die Führung von Telearbeitern sein)
- Entwicklung von Mentoring- und Buddy-Programmen zur Förderung der sozialen Integration und eines verstärkten Wissensaustauschs zwischen erfahrenen Betriebsangehörigen und neuen Mitarbeitern
- Durchführung von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung unter Arbeitgebern hinsichtlich der Vorteile älterer Arbeitnehmer – der Trend zu einer alternden Bevölkerung in Europa bedeutet zugleich eine sich verändernde Alterstruktur der Kunden; dabei sind vor allem ältere Arbeitnehmer ausgezeichnet dazu qualifiziert, sich dieses Kundensegments anzunehmen
- Die Möglichkeiten zu gleitenden Pensionsantrittsregelungen in Betracht ziehen. Dabei können auch Telearbeitsperioden auf Teilzeitbasis als ein Übergang von voller Beschäftigung zur Pensionierung herangezogen werden
Auf Gewerkschaftsebene
- Durchführung von Meetings unter Berücksichtigung der speziellen Situation von Teilzeit- und Schichtarbeitern, um sicherzustellen, dass auch diese Grupp-en voll in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Bei der Wahl der Örtlichkeiten muss sicherstellen werden, dass die Umgebung den Bedürfniss-en von Männern und Frauen, sowie den speziellen Bedürfnissen von Personen mit Behinderungen und Angehörigen aller ethnischen Gruppen entspricht
- Durchführung von Untersuchungen zum Ausmaß der Verbreitung von Behinderung unter den Mitgliedern, sowie zu den konkreten Problemen, mit denen sich diese Personen konfrontiert sehen
- Verwendung von Unterlagen, Internetseiten und Publikationen, wie z.B. Newsletter, zur Mitgliederwerbung, die speziell auf die Bedürfnisse von Behinderten abgestimmt sind. Das umfasst unter anderem die vielfältige Aufbereitung von Informationen, um sicherzustellen, dass weder gehörgeschädigte noch sehbehinderte Personen von der Nutzung dieser Medien ausgeschlossen sind
- Durchführung von Kampagnen gegen die Diskriminierung auf grund von Behinderungen. Hierzu zählen auch Krankheiten wie z.B. AIDS und andere Behinderungen, die in bestimmten sozialen Kontext stigmatisiert sein können
- Durchführung von Untersuchungen zur ethnischen Zusammensetzung der Mitglieder, sowie zu den konkreten Problemen, mit denen sich Angehörige ethnischer Minderheiten konfrontiert sehen
- Durchführung von Maßnahmen zur aktiven Mitgliederwerbung unter unterrepräsentierten Gruppen. Dazu zählt, falls notwendig, die Berufung von Angehörigen ethnischer Minderheiten als Organisatoren und die Produktion von Informationsmaterialen in Minderheitensprachen
- Durchführung von Kampagnen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sowie Aktivitäten, die darauf abzielen, die Mitglieder über die konkreten sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer zunehmenden Globalisierung zu informieren
Auf gesellschaftlicher Ebene
- Sicherung der Gleichheit des Zugang von Männern und Frauen zu Fähigkeiten und Kenntnisse aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Hierzu zählt die Gestaltung von Schulungsressourcen und –maßnahmen, die auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind (leicht zugänglich auch für Frauen und frauenfreundlich in Hinblick auf sprachliche und inhaltliche Gestaltung)
- Notwendigkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen und Einrichtungen zur Betreuung von älteren Menschen, um die Möglichkeit zu einer freien Wahl des Arbeitsplatzes zu gewährleisten
- Notwendigkeit eines sicheren, leicht zugänglichen und leistbaren öffentlichen Transportsystem, um sicherzustellen, dass diejenigen Personen, die zu ihrem Arbeitsplatz pendeln wollen, dazu in der Lage sind
- Die Gestaltung von Wohnräumen unter Berücksichtigung der komplexen Bedürfnisse von Heimarbeitern
- Anpassung von Transport- und sonstigen Einrichtungen an die Bedürfnisse von behinderten Menschen
- Gegebenenfalls Schaffung von gesetzliche Regelungen, die die Diskriminierung auf grund von Behinderungen verbieten
- Kostenlose Zurverfügungstellung von IKT-Ausstattung und Software für behinderte Personen
- Tageszentren und Heimstätten für Behinderte, die ein angemessenes Arbeits- und Lernumfeld bieten, das es Behinderten ermöglicht, einer Telearbeit nachzugehen oder an Teletrainingsprogrammmen teilzunehmen
- Ausbildungs- und Schulungsinitiativen, die es behinderten Personen ermöglichen, Nachteile, die sich aus ihrer Behinderung ergeben, wettzumachen und Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die für eine Tätigkeit als e-Arbeiter notwendig sind
- Schaffung von Vermittlungsinstanzen zwischen behinderten Arbeitssuchenden und potentiellen Arbeitgebern
- Aktive Antidiskriminierungsmaßnahmen im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
- Ausbildungs- und Schulungsinitiativen, die es Angehörigen aller sozialer Gruppen ermöglichen, Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die für eine Tätigkeit als e-Arbeiter notwendig sind
- Schaffung von Einrichtungen, die einen kostengünstigen Internetzugang in Regionen mit einem hohen Minderheitenanteil ermöglichen
- Die Durchführung von Untersuchungen zur Globalisierung und deren soziale und wirtschaftliche Auswirkungen
- Trainingsprogramme und web-basierende Serviceleistungen abgestimmt auf ältere Menschen
U.Huws © 2000
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