Ergonomie und Telearbeit




Im allgemeinen werden Mensch-Maschine-Systeme auf der Grundlage ergonomischer Erkenntnisse konstruiert. Setzt man voraus, daß Telearbeit den Gebrauch solcher Werkzeuge einschließt, so sollten auch bei der Gestaltung der Telearbeitsmittel und -aufgaben Richtlinien sowohl der „klassischen" (physischen) als auch kognitiven Ergonomie angewendet werden.

In diesem Kapitel sollen einige allgemeine Empfehlungen und Richtlinien für die Gestaltung der Workstation, der kognitiven Gestaltung und die Aufgabenplanung veranschaulicht werden.
 

Physikalische Ergonomie

Nachstehend werden einige Empfehlungen in bezug auf die physikalische Ergonomie der häuslichen Workstation aufgelistet. Diese Maßnahmen beruhen nur zum Teil auf anthropologischem Datenmaterial: die formulierten Ratschläge stellen in dieser Form Kompromißlösungen dar, die mitunter willkürlich erscheinen mögen.
Verhaltensmuster von Angestellten und spezifische Anforderungen der Arbeit selbst müssen jedoch auch berücksichtigt werden.
 

Sitzplatz

 
Monitor

Die verwendeten Monitore sollten sich nach folgenden Kriterien ein- bzw. verstellen lassen:

 

Darüber hinaus:

 

Kognitive Ergonomie

Die Gestaltung der Schnittstellen ist das entscheidende Element für die Verwendbarkeit eines Systems. Tatsächlich erstellen Menschen beim Planen und Agieren in der Welt stets „mentale Modelle" ihrer selbst, von anderen, ihrer Umwelt und der Dinge, mit welchen sie interagieren. Die Brauchbarkeit jeglicher Software-Werkzeuge hängt entscheidend von der Richtigkeit des mentalen Modelles ab, das der Benutzer während der Interaktion mit dem System konstruiert. Ein derartiges Modell ist weitgehend von der Interpretation der erkannten Aktionen und der wahrnehmbaren Strukturen beeinflußt und somit durch die Gestaltung der Schnittstelle. Um eine Schnittstelle zu schaffen, die ein korrektes Systemmodell beim Benutzer entstehen läßt, muß ein benutzerzentrierter Ansatz verfolgt werden. Benutzerzentrierte Gestaltung beinhaltet vor allem die folgenden drei Kriterien:

i) Benutzer (Telearbeiter) müssen in jeden Schritt des Gestaltungsprozesses einbezogen werden;

ii) Der Gestaltungsprozeß konzentriert sich mehr auf die zu unterstützenden Arbeitsaktivitäten als auf die technologischen Möglichkeiten;

iii) die Zyklen der Arbeitsanalyse (Gestaltung - Prototyp - Bewertung) müssen vorausgesagt werden.
 

Besondere Aufmerksamkeit sollte bei der Gestaltung der Telearbeitsaufgaben und Werkzeuge auf die Phase der Arbeitsanalyse verwendet werden (dies ist die Art und Weise, wie die Arbeit vor der Implementation von Telearbeit durchgeführt worden ist). Kognition (Treffen einer Entscheidung, Problemlösung, Erinnerung, etc.) findet nur teilweise in dem Kopf des Individuums statt. Die Arbeitsumgebung steckt voller Informationen, die der Mensch in jedem beliebigen Moment aufnehmen kann. Bei der Arbeit zu Hause stehen derartige Informationen nicht mehr zur Verfügung, daher sollte der Telearbeiter unbedingt mit „visuellen Werkzeugen" ausgestattet werden, die die fehlenden Informationen liefern. Im folgenden faßt eine kurze Liste einige der Aktivitäten zusammen, die während der ersten Gestaltungsstufen durchgeführt werden sollten:

 
Gestaltung der Arbeitsaufgaben

Die Norm ISO 9241 (Teil II, Anleitungen für Arbeitsanforderungen) stellt Richtlinien für Benutzer zur Verfügung, die an mit Bildschirm ausgerüsteten Datenverarbeitungssystemen in Verbindung mit Büroaufgaben beschäftigt sind. Diese Empfehlungen müssen auch die Gestaltung von Telearbeitsaufgaben mit berücksichtigen.

Angemessene Aufgabengestaltung sollte:

 Folgende Fehler hingegen sollte - soweit möglich - vermeiden werden:

Eine angemessene und effiziente Gestaltung von Büroaufgaben setzt folgendes voraus:

Soziale Kontakte

Eine der unmittelbarsten Auswirkungen der Telearbeit ist zweifellos der Rückgang möglicher sozialer Kontakte, insbesondere mit Kollegen aber auch mit Vorgesetzten.

Die Gelegenheit, mit dem benachbarten Kollegen/der Kollegin zu sprechen, stellt einen effektiven Weg zur Vermeidung von Eintönigkeit bzw. Langeweile dar. Im Gegensatz hierzu verstärkt die Isolation eine Monotonie und gleichsam die Neigung, die Arbeit selbst langweilig zu empfinden.

Um für dieses Problem eine Lösung zu finden, ist die Durchführung einer vorbereitenden Analyse zu folgenden Punkten zu empfehlen:

i) Kommunikationsbedürfnisse der Arbeitnehmer;

ii) soziales Umfeld, in welchem sich die zukünftigen Telearbeiter bewegen;

 
Eine derartige Analyse erlaubt:

i) die Bestimmung derjenigen Gegenstände und Personen, die sich für Telearbeit eignen;

ii) die Implementierung von unterstützenden Kommunikationsmitteln.

Ein Weg der Vermeidung von Isolation besteht in der Erhöhung bzw. Ermutigung zu regelmäßigen Treffen , Desksharing-Modellen, einfach zu praktizierenden Systemen der Kontaktierung von Kollegen/-innen, Groupware-Lösungen auf der Grundlage von Untersuchungen zu computergestützter Teamarbeit, etc.

 


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