Ahaus ist ein Teil des Kreises Borken,
im Bundesland Nordrhein-Westfalen, etwa fünfzig Kilometer nördlich
des Ruhrgebietes. Es grenzt zudem an die Niederlande, eine wichtige Tatsache
angesichts der daraus erwachsenden engen Zusammenarbeit beider Länder.
Die ländliche Region Borkens befindet sich unverkennbar in erheblichen
Umwandlungsprozessen. Die vormals ansässige Textilindustrie hat diese
Region wesentlich geprägt, mit ihrem Rückgang ist somit auch
die Hauptbeschäftigungsquelle versiegt. Eine entsprechende hohe Arbeitslosenquote
Mitte der 80er Jahre zwang in diesen Jahren zu einer notwendigen intensiven
Restrukturierung. Seitdem ist die Region charakterisiert durch kleine und
mittelständische Unternehmen und das Handwerk. Großunternehmen
hingegen findet man kaum.
Das Verkehrssystem
ist nicht sonderlich gut ausgebaut, die Deutsche Bahn AG beabsichtigt im
Gegenteil die Stillegung weiterer Strecken. Dies erschwert jedoch den Bewohnern
der Region das Pendeln in größere Städte.
Der Kreis mit seinen 340.000 Einwohnern
wird sich zukünftig aufgrund des erwarteten Bevölkerungszuwachses,
der sich aus der hohen Geburtsrate ergibt, noch vergrößern.
Gegenwärtig ist nahezu ein Drittel von ihnen unter zwanzig Jahre alt.
Wirtschaftliche Regeneration: Die Aufgaben
des BBS
Das Thema Telearbeit spielte bislang keine Rolle in der Wirtschaft des Kreises, gleichwohl hat man deutlich die wachsende Bedeutung für die nahe Zukunft erkannt, wenn Unternehmen die Vorteile von Reengineering-Maßnahmen für sich nutzen wollen. Ebenso wie auf die Umwandlung bestehender Arbeitsplätze hofft man auf eine mögliche Schaffung neuer Telearbeitsplätze in Arbeitsfeldern wie Netzwerk-, Datenbank- und Softwareentwicklung. Dies wiederum soll einen größeren Bedarf an Beratungs-, Informations-, Weiterbildungs- und Servicedienstleistungen in der gesamten Region nach sich ziehen.
Die Entwicklung Borkens hin zu einem „regionalen Kompetenzzentrum für Telematik durch eine Bündelung neuer IuK-Technologien und Qualifikationen" ist die Aufgabe der Berufsbildungsstätte Westmünster (BBS). Die 1976 gegründete Firmen ist ein öffentlich orientiertes Geschäftsunternehmen mit Mitgliedern aus der Kommunalrregierung, Wirtschaft und Handel. Partner der BBS sind der Kreis Borken, die Stadt Ahaus, die Kreishandelskammer, die Industrie- und Handelskammer Münster und die Handwerkskammer Münster.
Als Grenzregion ist der Kreis Borken ganz besonders von einem erfolgreichen grenzüberschreitenden Handel und den Entwicklungen auf dem europäischen Markt abhängig, gerade das jedoch zwingt zu einer Verstärkung der Kompetenzen und Qualifikationen der Ressourcen Humankapitals: seiner Bewohner. Daher wird Qualifikation als die wesentlichste Aufgabe der regionalen und ökonomischen Entwicklung eingeschätzt.
Die Organisation soll für die Bereitstellung beruflicher Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Arbeitnehmer und Schulabgänger sorgen. Früher hat die BBS bereits ständige Weiterbildung für Erwachsene angeboten, insbesondere Kurse zu technischen Themenbereichen für Angestellte.
Lokale Firmen fragen nach Unterstützung vor allem in diesem Bereich. Die wirtschaftlichen Strukturveränderungen in der Region in Verbindung mit einer steigenden Investition in neue Technologien haben zu einer größeren Nachfrage an Arbeitnehmern mit neuen Qualifikationen und Kompetenzen geführt, während gleichzeitig das Angebot an qualifizierten Arbeitnehmern gesunken ist. Die Wirtschaft ist sich deshalb zunehmend der Notwendigkeit beruflichen und kontinuierlichen Trainings bewußt, häufig aber nicht in der Lage, die dafür anfallenden Kosten vollständig zu tragen.
BBS bietet Firmen Beratung, entwickelt maßgeschneiderte Trainingsprogramme und führt firmeninterne Weiterbildungskurse durch. Man betrachtet darüber hinaus den engen Kontakt mit der lokalen Wirtschaft und eine hochgradige technologische Sachkenntnis sowie technische Ausstattung als die beiden ausschlaggebenden Kriterien ihrer umfassenden Strategie. Von ihrem jährlichen Gesamtbudget werden 10% wieder in die technische Ausrüstung investiert. Die Firma beschäftigt ein wissenschaftliches Komitee und eine Vielzahl professioneller Beratergruppen.
Die Betonung der beruflichen Weiterbildung
spiegelt ist auch in der Initiative des Regionalen Entwicklungsprogramms
der Müsterlandkonferenz wider, deren Zielsetzungen die Entwicklung
eines starken Netzwerkes zur Unterstützung für Innovations- und
Technologieförderung und die regionale Weiterbildung formuliert werden.
Entwicklung der Telekommunikations-Infrastruktur
Die BBS weitet ihre Aktivitäten im Bereich der Telekommunikation aus und reagiert somit auf die wachsende Bedeutung der IuK-Technologien in der Wirtschaft und folglich auch im Weiterbildungsangebot.
Die technologische Infrastruktur des Kreises Borken aber ist äußerst schlecht entwickelt. Es gibt noch keinen regionalen Zugang ins Internet, der nächste Provider befindet sich in 60 - 80 km Entfernung. BBS setzt sich nun für den Ausbau dieser Infrastruktur, durch die Schaffung eines Netzwerkproviders für die Region sowie durch das Angebot der eigenen geschäftlichen Dienstleistungen per Internet ein.
Zudem beabsichtigt die BBS den Aufbau regionaler (Fern-)Lernzentren, dies wird als entscheidender Schritt zur Modernisierung des (kontinuierlichen) beruflichen Weiterbildungsangebotes betrachtet. Ein eigener Bestandteil wird in der Neubestimmung der Trainingsinhalte und der gesamten Tätigkeitsbeschreibungen bestehen. Fernlernen unter Zuhilfenahme neuer IuK-Technologien wird als mögliche Methode zur Vorbereitung künftiger Arbeitnehmer auf Telearbeit eingeschätzt. Verträge für eine länderübergreifende Kooperation in diesem Projekt (Frankreich, Schweiz) sind bereits aufgesetzt.
Im Januar 1997 begann die BBS einen zweijährigen Weiterbildungskurs „Verkauf und Verwaltung" für Frauen, die nach der Familienpause in die Berufstätigkeit zurückkehren wollen. Der Kurs beinhaltet auch Unterrichtseinheiten mit Fernlernen (ein bis zwei Tage wöchentlich), welche die Frauen vom häuslichen PC - der von der BBS gestellt wird - absolvieren. Das Kurskonzept vermittelt also ganz bewußt für Telearbeit erforderliche Kompetenzen.
Doch auch für die BBS-eigenen Angestellten haben diese Initiativen eine wesentliche Rolle gespielt, da diese ihnen beim Erwerb neuer Kompetenzen im Bereich beider Technologien (Installation von E-mail, Kommunikationstechnologien etc.) und bei der Ausbildung (Erstellung von Multimedia-Lernmaterial, Online-Networking etc.). halfen.
Über die beiden genannten Initiativen hinaus nimmt BBS auch an weiteren Entwicklungen teil. Ein Pilotprojekt begann im August 1996 und kann die Installation von 2-Mbit- Datenleitungen für städtische Dienstleistungen und lokale Banken vorweisen. Geplant ist eine Ausweitung dieses Netzwerkes auf lokale und regionale Firmen, um die wichtigen neuen Formen von Netzarbeit zu fördern. Eine Anbindung an eine transregionales Netzwerk (Veba-Com-line aus Dortmund nach Gronau) wird gegenwärtig diskutiert.
Entwicklung der Telearbeit
Ein erstes regionales Treffen zu Telearbeit fand im November 1996 statt, durchgeführt zusammen mit dem IUK-Institut. Die Veranstaltung vermittelte weiterführende Informationen für potentielle Telearbeiter (darunter auch sehr viele Frauen) und Telearbeitgeber aus kleinen und mittelständischen Unternehmen und aus der lokalen Stadtverwaltung. Dieses Forum nutzte VEW-Telnet für seine Ankündigung, es werde als regionaler Netzwerkprovider zu fungieren.
BBS beschäftigt
beinahe 160 Menschen, die an acht verschiedenen Orten tätig sind,
zudem arbeiten anderer Teilzeitmitarbeiter, Assistenten und Kursleiter
für die Firma. Dennoch nutzt die Organisation gegenwärtig selbst
kaum Telearbeit. Zwei oder drei Personen arbeiten von Zeit zu Zeit zu Hause
bzw. nach individueller Absprache. Sie verfügen über die erforderliche
Software und Hardware und können vom häuslichen Arbeitsplatz
Kontakt zum Hauptbüro aufnehmen. Es existieren keine besonderen Vereinbarungen
oder Regelungen für Telearbeit, welche diese Form der gelegentlichen
Telearbeit abdecken.
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