Fallstudie:
IBM Österreich
(Paul Kolm und Kollegen)
Telearbeit besitzt bei IBM Österreich
eine lange Tradition. Bereits in den frühen Achtzigern gab es für
Mitarbeiter aus den Bereichen technische Dienstleistungen und Rechenzentrum
die Möglichkeit, von entfernten bzw. häuslichen Terminals Zugang
zum Zentralrechner zu erhalten, um so ihre Arbeitsaufgaben auch außerhalb
der Firma erfüllen zu können. Alle Arbeitsaktivitäten konnten
zufriedenstellend von diesem Terminalplätzen aus begleitet werden.
Anfang 1994 entschied sich das Management
von IBM Österreich, ein Pilotprojekt mit Verkaufsangestellten zu beginnen.
Die angenommene größere Mobilität und zeitliche Unabhängigkeit
der Mitarbeiter sollte zu steigender Produktivität und Motivation
der Beteiligten und infolgedessen verbesserter Kundenzufriedenheit führen
Zwischen November 1994 und Ende 1996 waren
26 Angestellte von IBM Österreich an dem Telearbeitsprojekt beteiligt.
Die sozialen Auswirkungen wurden mit Hilfe einer begleitenden Studie ausgewertet,
durchgeführt von einer wissenschaftlichen Gruppe des Instituts für
Wirkungs- und Gestaltungsforschung der Technischen Hochschule Wien unter
der Leitung von Dr. Paul Kolm. Im folgenden wird eine Zusammenfassung der
Resultate geliefert.
Gründe für die Teilnahme am
Pilotprojekt
Prinzipiell war kaum eine ausdrückliche
Ermutigung der teilnehmenden Angestellten notwendig. Vor allem die drei
nachstehenden Motivationen lassen sich unterscheiden:
-
Die Erwartung höherer Mobilität
und Flexibilität infolge der wegfallenden Anwesenheitspflicht im Betrieb
und der Möglichkeit freier Zeitgestaltung.
-
Die Möglichkeit, die Berufstätigkeit
mit privaten Verpflichtungen vereinbaren zu können - überwiegend
Kindererziehung oder die Sorge bzw. Unterstützung eines arbeitenden
oder studierenden Partners.
-
Der Wunsch nach einer stärker selbstbestimmten,
ungestörten und konzentrierten Erledigung der individuellen Arbeitsaufgaben.
Überdies sprach eine bestimmte Gruppe
die Hoffnung aus, die als zu hoch betrachtete Arbeitslast (und somit auch
die Arbeitszeit) lasse sich reduzieren, sie wiesen auf den zunehmenden
Mangel an Personalressourcen innerhalb der Firma hin.
Untersuchung der Bedeutung alternierender
Telearbeit/Arbeit im Firmenbüro
Das Konzept der häuslichen Arbeit
wurde als praktizierbar und im Einklang mit den modernen technischen Standards
stehend eingestuft. Dennoch wurde wiederholt der Wunsch nach einer Festlegung
von Regulativen und einer Umwandlung in stärker bindende Vereinbarungen
angeführt.
-
Die Mehrheit der Teilnehmer empfand die elektronische
Verbindung zum Firmenbüro zwar als angenehme zusätzliche Möglichkeit,
maß ihr aber keine außerordentlich große Bedeutung bei.
-
Für einige Teilnehmer erwies sich die
außerbetriebliche Arbeit als Möglichkeit, auch private Bedürfnisse
zu befriedigen. Nach wie vor aber äußern sich Vorbehalte hinsichtlich
des Erfolgs eines Systems, das keine unterstützenden Maßnahmen
und Regulationsmechanismen impliziert.
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Nach Ansicht einer dritten Gruppe bildet diese
neuartige Arbeitsform die Grundlage für allgemeine Reorganisations-
und Restrukturierungsmaßnahmen, die ohnehin notwendig und unvermeidbar
erschienen. Somit war das Pilotprojekt ein vielversprechender Versuch,
innovative Überlegungen und Anstrengungen zu initiieren.
Akzeptanz im Firmenbüro
Außerbetriebliche Arbeit könnte
längerfristig betrachtet zu der Einführung stärker formalisierter
Prozesse führen, diese jedoch würden der Firmentradion von IBM
widersprechen. In den Abteilungen des Unternehmens hat sich im Gegenteil
eine bewußt gepflegte Kultur der Spontaneität und persönlichen
Kommunikation etabliert. Daher stieß Telearbeit, welche eher als
Form der Einsparung von Ressourcen und Büroräumen begriffen wurde,
auf eine ambivalente Beurteilung vieler Arbeitnehmer.
Für Gleitzeitmitarbeiter entstanden
keinerlei praktische Probleme bezüglich der Akzeptanz durch die Firmenkollegen,
solange die normale Arbeitsroutine hiervon nicht berührt war.
Häusliche Telearbeit könnte
zu Skepsis bei den Kollegen innerhalb der Firma, hinsichtlich der tatsächlich
zu Hause erbrachten Arbeitsleistung führen. Wenn im Firmenbüro
Engpässe bewältigt werden müssen, kann die Abwesenheit des
Telemitarbeiters als zusätzliche Last empfunden werden und zu Konflikten
führen.
In der Konsequenz könnten Vorschläge
zur Einführung neuer Arbeitsformen auf Kritik und Ablehnung bei Kollegen
und Vorgesetzten stoßen. Im Gegensatz dazu äußerten Kunden
oder andere Außenstehende keine Einwände und bewerteten die
Telearbeitsregelung positiv.
Auswirkungen auf das Privatleben
In einer frühen Projektphase erwarteten
beinahe alle Teilnehmer eine bessere Vereinbarkeit zwischen Berufs- und
Privatleben, die Umsetzung dieses Zieles erwies sich gleichwohl als problematischer
als gedacht.
Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit
sollte bedeuten, daß vor allem während der Woche mehr Zeit für
die Familie zur Verfügung steht. Trotzdem sind die organisatorischen
Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles mitunter äußerst
aufwendig. Die Arbeit besitzt erste Priorität, daher muß sich
der Telearbeiter für die Dauer seines Arbeitstages von dem familiären
Leben zurückziehen. Familienmitgliedern aber kann es schwerfallen,
diese Situation zu akzeptieren. Oder der Partner kann sich dazu verpflichtet
fühlen, den Telearbeiter zu unterstützen und folglich in der
Organisation des eigenen Alltags gestört sein.
Interessanterweise kann man feststellen,
daß eine kleine Minderheit potentieller Telearbeiter die Aufnahme
der häuslichen Tätigkeit letztlich doch ablehnte. Diese Gruppe
argumentiert dann, daß die strikte Trennung zwischen Arbeits- und
Privatleben der traditionellen Beschäftigung eine hohe Wertigkeit
besitze.
Organisatorische Aspekt
Es zeichnete sich eine bemerkenswerte Tendenz
zur Verlagerung von Aktivitäten ab, die eine eigenständige Erledigung
erlauben und durch intensives, ungestörtes und konsequentes Arbeiten
charakterisiert sind, ab. Kommunikation und Kooperation findet nach wie
vor hauptsächlich im Firmenbüro statt. Es lassen sich verschiedene
Formen von Telearbeit unterscheiden:
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Telearbeit außerhalb der normalen Arbeitszeiten
und am Wochenende: dies sollte der Vermeidung von Pendlerstaus beitragen
und zusätzlichen Zeitgewinn für das Familienleben schaffen. Im
allgemeinen nutzten die Telearbeiter diese Zeiten zur Kommunikation per
E-mail und zu konzeptionellen Arbeiten.
-
Regelmäßige, tägliche Telearbeit
zu den Kernarbeitszeiten: diese war eindeutig ein Ersatz für die sonst
übliche normale Arbeit innerhalb des Firmenbüros. Telearbeiter
arbeiteten tendenziell während der üblichen Gleitzeiten zu Hause
und waren daher in der Lage zu Kommunikation und Kooperation mit den Firmenkollegen,
falls dringende Aufgaben anlagen. Individuelle Arbeitselemente hingegen
wurden häufig in die Abendstunden verschoben.
-
Regelmäßige, tägliche Telearbeit
zu den Kernarbeitszeiten mit längerfristiger Perspektive mit Anforderungen
an die Effizienz der Arbeitsmittel, wie sie im Büro verfügbar
sind: die dank höherer Effizienz eingesparte Zeit wurde oftmals in
berufliche Tätigkeiten re-investiert.
Regulierung und Dokumentation der Arbeitszeit
Im allgemeinen ist die geleistete Arbeitszeit
selbst kaum relevant, da für die untersuchten Gruppen Erfolgsorientierung
und eigenverantwortliche Arbeitsgestaltung die entscheidenden Kriterien
darstellen. Die Erfassung der geleisteten Arbeitszeit sowohl im Firmenbüro
wie am häuslichen Arbeitsplatz wird vornehmlich aus rechtlichen Gründen
durchgeführt. Eine strikte Kontrolle der Arbeitszeit kann die Geschäftstransaktionen
und die Erfüllung der Kundenwünsche behindern.
-
Gelegentliche Telearbeit mit Gleitzeitregelung
wurde dem persönlichen Ermessen überlassen. Die geleistete Arbeitszeit
wurde weder ausdrücklich kontrolliert noch dokumentiert.
-
Die Zeitverteilung der
Heimarbeit stimmt nicht mit den normalen Arbeitszeiten innerhalb der Firma
überein, bedingt durch private Unterbrechungen. Die Tätigkeit
fand häufig außerhalb der Kernarbeitszeiten statt. Ein effizientes
Zeiterfassungssystem der so erbrachten Arbeitszeit betrachteten die Telearbeiter
als schwierig und unnötig, man zog die Aufschreibung der Gesamtzeit
vor. Telearbeiter neigten dabei zu der Ansicht, daß sie eher etwas
mehr als im Firmenbüro arbeiteten, um so die gewonnenen Vorteile -
wie Flexibilität etc. - zu kompensieren.
-
Jegliche Diskussion um Kontrolle und Regulierung
durch das Management muß berücksichtigen, daß die meisten
Tätigkeiten im Rahmen des Pilotprojektes ohnehin ein hohes Maß
an Selbstmanagement voraussetzen. Die Übernahme regulärer Arbeitszeiten
und eine ordentliche Aufschreibung wäre bei anderen Aufgabenbereichen
eher möglich bzw. angemessen gewesen.
Organisation im Firmenbüro
Vor Beginn des Pilotprojektes diskutierten
die ausgewählten Teilnehmer, ob die neue Arbeitsform nicht zwangsläufig
neue Mitarbeiter erfordere, die für die Unterstützung der Telearbeitnehmer
verantwortlich wären. Im Hinblick auf den insgesamt hohen Arbeitsdruck
und die seltene Anwendung konsequenter Telearbeit wurde dieser Vorschlag
nicht weiter verfolgt. Die betroffenen Arbeitnehmer wurden sehr schnell
vertraut mit den normalen tagtäglichen Arbeitsprozessen, so daß
sich eine besondere Betreuung der Telearbeiter als unnötig erwies.
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Gelegentliche Arbeit am häuslichen Arbeitsplatz
erfordert keine weiteren Organisationsmethoden.
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Täglich ausgeübte Telearbeit führt
oftmals zu individuellen Vereinbarungen innerhalb des Arbeitsteams bzw.
mit anderen Kollegen, die den abwesenden unterstützen. Bestimmte Personen
sind in der Lage, den Telearbeitnehmer in dringenden Fällen zu ersetzen,
sofern dieser nicht verfügbar ist.
-
Wird die Entwicklung von Telearbeit und neuen
Organisationsformen weiter verfolgt, entsteht ein Bedarf an einheitlichen
Regulationsformen. Letztere betreffen die strukturierte Planung und Organisation
von Team- und Abteilungsarbeit; die starke Formalisierung der Kommunikation,
die vorausschauende Aufteilung der Arbeitsaufgaben und alles in allem der
Versuch, spontan-reaktive Arbeitsprozesse zu minimieren.
Notwendige (versicherungs-)rechtliche
Regelungen
Das Pilotprojekt wurde in Zusammenarbeit
mit dem Betriebsrat durchgeführt, gemeinsam erarbeitete man einen
Vorschlag für eine Betriebsvereinbarung. Dieser Vorschlag warf wichtige
Fragen betreffs der Arbeitszeit auf, wurde jedoch von den Betroffenen wegen
der bereits bestehenden Diskrepanz zwischen der Regulierung von Arbeitszeit
und tatsächlicher Arbeitszeit und der Angst eingeschränkter Flexibilität
nicht akzeptiert. Schließlich kam man überein, basierend auf
den allgemeinen Rahmenbedingungen für Teleheimarbeit individuelle
Abstimmungen mit dem zuständigen Vorgesetzten zuzulassen. An dem bestehenden
Arbeitsverhältnis hingegen änderte sich nichts.
Wenig Aufmerksamkeit schenkte man den
gesetzlichen und sozialversicherungsrechtlichen Aspekten und die Befragungen
zu diesem Thema erwiesen sich als ergebnislos. Die Untersuchung kam zusammenfassend
zu folgenden Tendenzen:
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Die Arbeitsbedingungen für Gleitzeitarbeitnehmer
bleiben unverändert. In jedem Fall sollte ein Betriebsvereinbarung
den häuslichen Arbeitsplatz offiziell legitimieren, um so die verschiedenen
rechtlichen Konsequenzen (z.B. Unfalls-, Schadenshaftung) ebenso wie die
Regelung von Ausstattung des Arbeitsplatzes und Ausgaben verbindlich abzudecken.
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Längerfristige und kontinuierliche Heimarbeit
erfordert weiterreichende Vereinbarungen, um Heimarbeit als äquivalente
alternative Arbeitsform zu legitimieren und folglich die Akzeptanz der
neuen Zeitmuster zu fördern, eine zufriedenstellende Vereinbarkeit
von beruflichen mit privaten Pflichten zu gewährleisten und Regelungen
- sofern nötig - für den häuslichen Arbeitsplatz aufzustellen.
Technologische Ausstattung und Installation
Zunächst einmal mußten alle
Teilnehmer des Projektes mit Laptop-Computern ausgestattet werden. Die
Verbindung mit dem betriebseigenen Intranet wurde über Modem und Telefon
hergestellt. In einer der beiden teilnehmenden Abteilungen wurden die Telearbeiter
über den Hauptrechner ohne Rückruffunktion und ohne Zugang zu
den PC-LANs von Abteilung und Firma angebunden. In der zweiten Abteilung
verfügten die Telearbeiter über einen LAN-Remote Server innerhalb
der Abteilung mit Rückruf-Funktion und mit der zusätzlichen Zugriffsmöglichkeit
auf sämtliche Firmennetzwerke. Die Idee der Einrichtung einer separaten
Geschäftsleitung für das Telefon wurde angeführt, aber nicht
weiter verfolgt. Diese Absprachen sollten in erster Linie von den Telearbeitern
selbst organisiert werden.
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Für nur gelegentlich zu Hause arbeitende
Personen (auf der Grundlage von Gleitzeitregelungen) erwies sich diese
Form der kostengünstigen Lösung als ausreichend. Viele der Telearbeiter
benutzten ihre private Telefonleitung zur Versendung bzw. zum Empfang von
E-mails und war hiermit angesichts der kurzen Rufzeiten zufrieden. Das
Laptop wurde als Mittel zur häuslichen Telearbeit betrachtet.
-
Teilnehmer, die vor allem aus persönlichen
Gründen zu Hause arbeiten, bemühten sich stärker um eine
möglichst effiziente Ausnutzung ihrer technischen Quellen. Meist installierten
sie einen zweiten privaten Telefonanschluß. Arbeitsaufgaben, die
sich mit ihrer Ausstattung nur schlecht ausführen ließen, wurden
im Firmenbüro erledigt.
-
Diejenigen Telearbeiter, die zu Hause einen
höchst effizienten Arbeitsplatz - auf dem gleichen Niveau wie das
Firmenbüro - einrichten wollten, litten am meisten unter den technischen
Schwierigkeiten, insbesondere unter der eingeschränkten Verbindung
zum Hauptrechner. dies unterstreicht die Notwendigkeit einer zentralen
Planung wie auch von technischen Verbesserungen und Innovationen (wie z.
B. ISDN).
Telefonkontakt
Die Frage, auf welche Art und Weise die
Telefonkontakte der Telemitarbeiter organisiert werden sollen, stellte
sich im Verlauf des Pilotprojektes als vieldiskutiertes und heikles Thema
heraus. Dennoch konnte man nicht zu einem Konsens gelangen. Zweifellos
ist das Telefon nach wie vor das hauptsächliche Medium zur Kommunikation
räumlich voneinander entfernter Menschen.
Gegen Ende des Projektes schließlich
unternahm man einen ersten Schritt zur Konfliktlösung, indem man die
in der Firma eingehenden Anrufe an die Privatleitung des Telemitarbeiters
umleitete. Nach einiger Zeit konstatierten die Telearbeiter die Notwendigkeit
von drei einzelnen Telefonleitungen am häuslichen Arbeitsplatz: eine
für private Anrufe, eine zur Datenübermittlung und eine dritte
als Geschäftsleitung (oftmals ein Mobiltelefon).
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Für eine gelegentliche Gleitzeitarbeit
von zu Hause aus bereitete die Telefonverbindung keinerlei Probleme, da
es sich in dieser Zeit lediglich um wenige Geschäftsanrufe handelte.
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Für die zweite Gruppe der regelmäßig
zu Hause Arbeitenden aber ist die Telefonverbindung wichtig, um während
des Tages außerhalb des Betriebes an den normalen Arbeitsabläufen
beteiligt zu sein. Herausgehende Telefonanrufe bereiten insgesamt keine
Probleme, sie dienen den Kundenkontakt oder informieren über die gegenwärtige
Situation in der Firma. Hereinkommende Anrufe sind weitaus schwieriger
zu handhaben, da der Telemitarbeiter nicht jederzeit zu Hause erreichbar
war. Daher wurde oftmals eine Person im Firmenbüro für die Koordination
der Telefongespräche eingesetzt, die eingehende Anrufe weiterleitet
und ggf. Rückrufe in dringenden Fällen arrangiert.
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Es sollte eigentlich problemlos möglich
sein, die häuslichen Telearbeitsplätze mit geeigneten Telefonverbindungen
auszustatten. Gleichwohl kann ein Interessenkonflikt zwischen dem Anspruch
permanenter Erreichbarkeit und dem Bedürfnis nach ungestörter
Arbeit entstehen.
Infrastruktur und Ausstattung des häuslichen
Arbeitsplatzes und Kostenerstattung
Zu Anfang des Projektes bestanden keine
eindeutigen Vereinbarungen hinsichtlich einer Absprache bzw. Festsetzung
von Zahlungen. Das Management war insgesamt um eine Minimierung von Kosten
bemüht.
Wie sich gezeigt hat, beinhaltet die erforderliche
Ausstattung eines Telearbeiters, die vom Unternehmen bezahlt wird, einen
Laptop, eine Modemkarte und eine zusätzliche Telefonleitung (wobei
letzteres nicht immer installiert wurde). Im weiteren Verlauf erhielten
einige der Teilnehmer darüber hinaus einen Drucker, ein Fax und ein
Mobiltelefon.
Es fand keinerlei
Überprüfung der Eignung der Privaträume als Arbeitsplatz
statt ( vor allem in bezug auf Aspekte wie Raum, Mobiliar, Sicherheit und
Ergonomie). Aus dem gleichen Grund sind auch
keine Vereinbarungen zur Erstattung von Kosten für die Nutzung der
Räume der Mitarbeiter getroffen worden. Sowohl Einkommen als auch
Lebensstandard der ausgewählten Telearbeiter war ausnahmslos hoch,
und diese trugen freiwillig die entstehenden Mehrkosten selbst.
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Diese Form der freiwilligen Absprache entsprach
den Wünschen und Interessen der Gruppe von Telearbeitern, die das
häusliche Büro nur für die gelegentliche Arbeit nutzten
und infolgedessen keine formale Regelung mit dem Unternehmen benötigten.
Im allgemeinen verzichteten sie auf die Einrichtung eines vollständigen
Büros in ihrer Wohnung, sondern betrachteten vielmehr das Laptop als
Mobilbüro, das ihnen eine ortsunabhängige Arbeit erlaubte sowie
der Zugang zu einer Telefonleitung.
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Telearbeiter hingegen, die für einen
längeren Zeitraum zu Hause arbeiteten, hatten eher das Bedürfnis
nach einem abgetrennten Arbeitsbereich. In den meisten Fällen wurde
hier ein vorhandener Desktop übernommen und Telefon, Drucker, Aktenschränke
und andere notwendigen Arbeitsmittel beschafft. Dies ging mitunter auf
Kosten der Ergonomie und der Annehmlichkeit der Arbeitsumgebung.
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Teilnehmer, die überwiegend als Telearbeiter
beschäftigt wurden, verwandelten meist einen eigenen Raum zum Arbeitszimmer
um, mit der entsprechenden Ausstattung gemäß der technischen
und ergonomischen Anforderungen (wie PCs mit externer Tastatur und Monitor).Angesichts
der hohen Investitionskosten allein für einen kleinen Geschäftszweig,
wurde bei diesen Teilnehmern eine Bereitschaft zur Diskussion von formalen
Regelungen und Kontrollabkommen mit der Firmenleitung vorausgesetzt.
Technische Unterstützung am häuslichen
Arbeitsplatz
Um es noch einmal zusammenzufassen:
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Für gelegentliche Telearbeiter besteht
keine zwingende Notwendigkeit zu technischen Installationen in den Privaträumen,
da sie nur selten genutzt werden und der Großteil der Arbeitszeit
in dem technisch gut ausgestatteten Firmenbüro geleistet wird.
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Für diejenigen, die längerfristig
von zu Hause aus arbeiten werden, ergibt sich ein Bedarf an technischen
Installationen, welche die gleichen Arbeitsbedingungen wie im Firmenbüro
garantieren.
Ökonomische Aspekte
Da die Firma keine Überwachung der
Kosten während des Telearbeitsprojektes durchführte, beruhen
die nachstehenden Anmerkungen auf den subjektiven Einschätzungen der
Teilnehmer.
Die einzigen unmittelbar erkennbaren Ausgaben
waren die Telefonkosten, die von den verschiedenen Beteiligten höchst
unterschiedlich bewertet wurden. Den nur selten zu Hause tätigen Mitarbeiter
erschienen die Mehrkosten sehr hoch. Im Gegensatz dazu bezeichneten die
häufiger zu Hause arbeitenden die entstehenden Telefonkosten eher
als akzeptabel.
-
Für die Gruppe der Gleitzeitmitarbeiter
waren die Investitionskosten vergleichsweise niedrig und die laufenden
Kosten hoch.
-
Für die überwiegend zu Hause tätigen
Kollegen lagen die Investitionskosten in mittlerer Höhe, auch die
laufenden Kosten erschienen relativ akzeptabel.
-
Langzeit-Telearbeit verursacht äußerst
hohe Investitionskosten, jedoch vergleichsweise niedrige laufende Kosten.
Regulationsanforderungen: Zusammenfassung
Im folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse
und Analysen der empirischen Erhebung knapp zusammengefaßt. Es muß
ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß aufgrund der Begrenzung
des Pilotprojektes auf zwei Verkaufsbereiche keine Aussage hinsichtlich
der Situation und des Potentials des gesamten Betriebes formuliert werden
kann.
-
Die Angestellten waren glücklich über
die Flexibilität dank der zwanglos möglichen Arbeit von zu Hause
aus. Diese Einschätzung blieb jedoch weitgehend diffus.
-
Unterschiede zwischen dem Firmenbüro
und dem häuslichen Arbeitsplatz, in bezug auf Arbeitszeiten und -abläufe,
können zu Problemen und Konflikten führen.
-
Häusliche Arbeit ist eine individualisierte
Form von Arbeit, die insbesondere eine Deregulierung der Arbeitszeiten
begünstigt.
-
Die räumliche und zeitliche Trennung
der Mitarbeiter bedingt die Entwicklung neuer Formen elektronischer Kommunikation,
einschließlich Online-Informationsforen und Gemeinschaftsräume.
-
Das Fehlen eines strategischen Konzeptes für
die Reorganisation von Arbeit führt in den Firmen oftmals zu einer
weiteren Anwendung (modifizierter) veralteter Modelle. Dies wiederum bringt
die Vernachlässigung der potentiellen Vorteile der neuen Arbeitsform
und die Umsetzung von individuellen ad-hoc-Lösungen mit sich.
Zukunftsperspektiven
Wenn außerbetriebliche Arbeit als
voll integrierte Arbeitsform im weiteren Projektverlauf eingeführt
werden soll, dann müssen korrekte Regulationsvereinbarungen formuliert
werden. Eine derartige Vereinbarung könnte die folgenden Punkte beinhalten:
-
Eine Definition der Firmenziele für eine
Einführung von Telearbeit, in bezug auf: Zielsetzungen, Arbeitsstunden,
finanzielle Rahmenbedingungen, Nutzung der bestehenden Ressourcen, Aufgaben
des Managements, Maßnahmen zur Arbeits- und Qualitätskontrolle.
-
Feststellung der Arbeitssituation und der
Motive der Angestellten,
-
Untersuchung des Verhältnisses zwischen
offizieller Tätigkeitsbeschreibung und tatsächlichen Arbeitsaufgaben:
-
Festlegung der Arbeitszeiten, des Zeitrahmens
und Festlegung der möglichen Zeitplanung am häuslichen Arbeitsplatz
-
Anerkennung des entstehenden Bedarfs
an Unterstützung durch Kollegen, Vorgesetzte, Arbeitsgruppe, Abteilung
und Firma
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Diskussion und Entwicklung von Regeln
hinsichtlich des Umgangs mit Daten, vertragliche Mittel und Vorgehen in
Notfällen.
-
Rechtliche Konstituierung der neuen Arbeitsform:
-
Absprachen zur Schaffung entsprechender Arbeitsplätze
zu Hause, einschließlich aller erforderlichen Baumaßnahmen,
des Mobiliars und der ergonomischen und Sicherheitsstandards
-
Lösung sämtlicher Fragen zu
betrieblichen Bestimmungen. Entwicklung von Betriebsvereinbarungen und
Verträgen
-
Erstattung entstehender Kosten
-
Entwicklung einer standardisierten sowie optimierten
technischen Arbeitsumgebung für Telearbeit:
-
Festlegung der standardisierten technischen
Grundausstattung für das häusliche Büro und weiterer Arbeitsmittel,
die jeweils gemäß der individuellen Arbeitsaufgabe angefordert
werden können
-
Standardisierter optimaler Netzzugang
-
Standardisierte Regelung des Telefonkontaktes
dank einer Geschäftsleitung am außerbetrieblichen Arbeitsplatz
-
Erkennen der Möglichkeiten zur Innovation:
-
Beurteilung und Reorganisation von Prozessen
für die elektronische Einbindung von räumlich entfernten Kollegen
und Partnern
-
Entwicklung von Produktlösungen für
Telearbeit in der Firma
-
Ausweitung der internen Computersysteme, um
somit die Kommunikation und Kooperation zu fördern
-
Erarbeitung neuer Tätigkeitsbeschreibungen
und Arbeitsabläufen, welche die beruflichen und privaten Bedürfnisse
bzw. Verpflichtungen miteinander vereinbar erscheinen lassen.
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