

Wege zu Telearbeit: Checkliste für Telezentren und lokale Initiativen
Öffentliche Organisationen und Gruppierungen im gemeinnützigen Bereich entwickeln aus mehreren Gründen ein Interesse an Telearbeit - und insbesondere am Konzept der Telezentren.
Mit Hilfe von Telearbeit kann eine Strategie verfolgt werden, die Lösungsansätze für verschiedene öffentliche Ziele bzw. gesellschaftliche Probleme in sich vereint. Dazu zählen:
Darüber hinaus kann das Telezentrum auch für weitere sozial wünschenswerte Anliegen Raum bieten. Denkbar wären hier beispielsweise:
Fernstudium („Teletraining"), so daß Bewohner ländlicher bzw. strukturschwacher Gebiete neue Berufsqualifikationen erwerben können
Telematikanwendungen, um Informationen und Wissen (z.B. über öffentliche Dienstleistungen) den Bewohnern entlegener Regionen und den dort ansässigen Firmen (vor allem KMU) zugänglich zu machen.
Ein erfolgreiches Telezentrum wird wahrscheinlich das Angebot der Förderung von Telearbeit (entweder durch die Umwandlung bestehender Tätigkeiten oder aber Schaffung neuer Arbeitsplätze) um die genannten sozialen Aspekte erweitern. Daher kann eine Subventionierung von Telezentren durch öffentliche Gelder oder andere Finanzquellen gerechtfertigt sein. Die praktische Erfahrung belegt, daß es durchschnittlich mindestens zwei Jahre dauert, bis ein neu gegründetes Telezentrum sich selbst trägt und tatsächlich Gewinn erwirtschaftet. Das legt eine Suche nach Partnern nahe, die eine Unterstützung für diese Anfangsphase garantieren.
Telezentren bedürfen auch hinsichtlich ihres Standortes einer umsichtigen Planung, ratsam ist ihre Ansiedlung innerhalb eines Einzugsgebietes, das ausreichende Ressourcen für seine Aktivitäten besitzt. Dabei könnte es sich z. B. um das Zentrum einer außerhalb gelegenen Wohngegend oder um eine kleinere Stadt handeln.
Die Kombination eines Telezentrums mit einer bereits bestehenden kommunalen Einrichtung oder Institution kann natürlich die Investitionskosten deutlich senken und gleichzeitig die Anlaufphase erleichtern. Besonders vorteilhaft ist es dann, wenn dort schon einige PCs mit Internetzugang für das Telezentrum zur Verfügung stehen.
Im allgemeinen sind für die Initiierung eines Telezentrum-Projektes eine politische Übereinkunft und sehr häufig die Zusammenarbeit mit einem industriellen Partner erforderlich. Zudem hat es sich als hilfreich erwiesen, wenn eine entschlossene und durchsetzungsfähige Person - am besten mit Unternehmerqualitäten - das Management bzw. die Projektkoordination übernimmt. Er/sie sollte in der Lage sein, das Telezentrum zu vermarkten und die dahinter stehende Idee überzeugend „zu verkaufen".
Jedes Telezentrum besitzt unterschiedliche Voraussetzungen und Bedingungen, je nach Sponsoren und spezifischen Gründungsproblemen. Dennoch fassen die nachstehenden systematischen Stichpunkte die wesentlichen und wahrscheinlichen Arbeitsschritte zusammen und können somit der Orientierung für ein erfolgreiches neues Telezentrumprojekt dienen.
Schritt 1 Suche nach Partnern, die interessiert an der Diskussion und Entwicklung eines Projektes „Telezentrum" sind
Schritt 2 Erarbeitung der Rolle und Zielsetzungen, die das Telezentrum erfüllen soll; Erkennen der erforderlichen technologischen Hilfsmittel und vermutliches Aussehen des Telezentrums
Schritt 3 Erstellung eines Geschäftskonzepts, einschließlich der Finanzkalkulation für das Telezentrum
Schritt 4 Thematisierung der Gründungsprobleme mit den verschiedenen beteiligten Partnern. Marktanalyse der künftigen Nachfrage hinsichtlich Telearbeit und der Kapazitäten für Teletraining.
Schritt 5 Treffen auf höchster Ebene mit denjenigen Partnern, die dann tatsächlich zur Teilnahme bereit sind; Formulierung einer formalen Erklärung aller Parteien, in welcher das gemeinsame Ziel - die Gründung eines Telezentrums - niedergelegt wird.
Schritt 6 Start einer PR-Kampagne und damit des Marketings für das Telezentrum
Schritt 7 Erforschung der Telearbeitsmöglichkeiten für das Zentrum
Schritt 8 Das Telezentrum eröffnet
Die folgende ausführliche Angaben zur Finanzierung sind dem Geschäftskonzept eines österreichischen Telezentrums entnommen, es deckt die ersten drei Jahre des Beginns von 1996 - 1998 ab. Der Abdruck erfolgt ohne weiteren Kommentar, doch die Aufstellung wird für die Planung anderer Telezentrumsprojekte zweifellos von Interesse sein (alle Angaben in österreichischen Schillingen!).
(einschließlich gemeinsamer Nutzung von Empfang, Toiletten etc.)
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Abstand |
2.000.-/qm |
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Mobiliar, Einrichtung etc. |
840.000.- |
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Miete (bestehender Vertrag) |
50/qm = |
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Laufende Kosten |
35/qm = |
28.000.- |
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Netzwerkinfrastruktur |
770.000.- |
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Telekommunikation/Monat: 5 ISDN-Anschlüsse jeweils 500.- |
2.500.- |
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3 Datex-P jeweils 500.-= |
1.500.- |
| Hard-und Software | |
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17 Workstations u. |
980.000.- |
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Vollanstellung: |
60.000.- |
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Monatsgehalt: |
84.000.- |
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Reinigungspersonal: |
2.000.- |
Hierfür sind ÖS 791.000.- für vorbereitende Maßnahmen vor der Eröffnung, ÖS 126.000.- für das erste Geschäftsjahr und dann jährlich ÖS 84.000.- veranschlagt.
Ausgaben für die Einführung auf dem Markt sind wie folgt kalkuliert:
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Broschüren, Herstellung und Druck |
250.000.- |
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postalischer Versand von Materialien |
456.000.- |
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Wettbewerbe der Verkaufsförderung: Preise von Sponsoren |
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Besetzung des Empfangs: 7 Tage zu jeweils 5.000.- |
35.000.- |
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Allgemeine Dienstleistungen |
50.000.- |
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Gesamt: |
791.000.- |
Die Gebühr für den Internetanschluß ist als gesonderter Kostenpunkt aufgeführt, die Telefongebühren ebenfalls.
Einnahmen aus der Nutzung der Telearbeits-WorkstationsDie Prognosen sind nach vier verschiedenen Modellen erstellt worden.
Anstieg der ProduktivitätAusgehend von der Annahme, daß Telearbeit die Arbeitsproduktivität um ca. 15% verbessert (Anmerkung: aufgrund einer Stichprobenuntersuchung wird sogar von 17% gesprochen). Für einen Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von ÖS 1.2 Mio. bedeutet dies entsprechend ÖS 180.000.- zusätzlich im Jahr. Wenn nun 50% dieses Produktivitätswachstums zur Deckung der Kosten des Telezentrums verwendet werden (während die restlichen 50% dem Unternehmen verbleiben), so könnte man mit ca. ÖS 7.500.- monatlich rechnen. Geht man von zwei Telearbeitern mit Vollzeitbeschäftigung im Telezentrum aus, bedeutet das einen monatlichen Betrag von ÖS 15.000.-
Vergleich mit Telearbeitsverdienst in den USADie Tagessätze in den US-Telezentren schwanken zwischen ÖS 400.- und ÖS 500.-, das entspricht monatlich zwischen ÖS 8.800.- bis ÖS 11.000.-.
Vergleich mit dem Produktivitätsanstieg laut den Autoren Gray, Hudson und GordonDie Autoren des 1993 veröffentlichten Handbuchs Teleworking Explained (New York 1993) gehen von einem Wachstum der Produktivität dank Telearbeit von 45% aus. Dieser Wert ergibt sich als Resultat aus:
Für den gleichen Kostenansatz ist somit eine Ersparnis von monatlich ÖS 31.600.- zu verzeichnen. Dieser Wert erscheint in der ersten Phase der Einführung von Telearbeit im Vergleich mit anderen Gutachten übermäßig hoch, er ist daher in dieser Kalkulation nicht einbezogen worden.
MitgliedschaftsmodellDiese Kalkulation beruht nicht auf dem Stunden- oder Tagessatz, sondern vielmehr auf einer Pauschale in Verbindung mit einem monatlichen Mitgliedschaftsbeitrag und einer maximalen Belegung von 50% der Arbeitstage (die übliche maximale Belegung bei Telearbeit): 2,5 Telarbeitstage in der Woche, Arbeitsstunden gemäß Vereinbarung: ÖS 3.000.- im Monat.
Alternativkonzept: Für Arbeiten, bei welchen Telearbeit nicht den Hauptteil der Aufgabe abdeckt, sondern eher zusätzliche Arbeit in den Abendstunden beinhaltet, kann eine Pauschale von ÖS 700.- im Monat erhoben werden.
Für beiden Varianten ist eine Gebühr zur Registrierung in Höhe eines monatlichen Mitgliedsbeitrages zu erheben.
Um die Flexibilität zu gewährleisten, wird in Fällen von Überbelegung solchen Telearbeiten Priorität eingeräumt, im Zusammenhang mit Kursen und Weiterbildungsaktivitäten stehen.
Jede Workstation ist mit einer normalen Telearbeitsbelegung tagsüber und abends kalkuliert, eine volle Auslastung mit 3 x 50% wird nur selten erreicht werden.
Einnahmen durch Weiterbildungskurse Schätzung laut WIFI - WienÖS 200.- je 1,5 Stunden bei täglich 7 Stunden x 22 = ÖS 20.533.- im Monat bei voller Belegung, abzüglich 10% für Kursunterlagen.
Schätzung laut ICL - Bristol:ÖS 1.700.- je eintägigem Seminar x 22 x 0,8
(bei 20% Ausgaben für Materialien, Disketten, CDs) = ÖS 29.920.-
Angesetzt bei ÖS 20.- pro Stunde, dazu kommen die Gebühren für die Nutzung von Internet- und Telefonverbindungen, die auf der Grundlage der gegenwärtigen Preislisten geschätzt worden sind (Zahlung per Chipkarte). Bestehende Cybercafés - z. B. in Wien und London - berechnen ÖS 50.- stündlich für jede Workstation.
Unterstüzung durch SponsorenAls Sponsoren kommen auch kommerzielle Online-Dienste, Büromöbelanbieter und andere kommerzielle Organisationen in Frage.
Weitere EinnahmenDazu kann etwa die Vergabe von Franchise-Lizenzen für das Telezentrumkonzept gezählt werden.
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