

Wege zu Telearbeit: Checkliste für Arbeitgeber
Die Thematisierung von Telearbeit in Unternehmen kann aus ganz unterschiedlichen Gründen erfolgen.
In einigen Fällen macht Telearbeit lediglich einen Bestandteil im Rahmen allgemeiner Reengineering-Maßnahmen aus, welche in erster Linie andere Veränderungen des Arbeitsprozesses (wie beispielsweise die zunehmende Praxis von Outsourcing) in den Vordergrund stellen.
Mitunter liegen auch standortbedingte Gründe vor: ein geplanter Umzug des Hauptsitzes mit Folgen für die betroffenen Mitarbeiter oder - im Falle einer Expansion der Firma - Probleme, entsprechende Räumlichkeiten zu finden.
In anderen Fällen können Firmen zum Nachdenken über Telearbeit gezwungen werden, wenn massive Probleme der Anwerbung und Bindung von Mitarbeitern auftreten: In diesne Fällen kann Telearbeit als Versuch verstanden werden, einen lokalen Mangel an qualifizierten bzw. erfahrenen Arbeitskräften zu beheben oder auch Mitarbeiter zu halten (z.B. jüngere Frauen, die eine Familie gründen und daher eine größere berufliche Flexibilität suchen).
Manche Geschäftsbereiche sind jedoch auch von äußeren Bedingungen beeinflußt: etwa von der Notwendigkeit, Lösungen für pendlerbedingte Verkehrsstaus zu entwickeln, die bereits ein teilweise kritisches Ausmaß angenommen haben. Andere Firmen (insbesondere im Informations- und Telekommunikationssektor) haben ein unmittelbares Geschäftsinteresse an der Einführung von Telearbeit, um die eigenen Erfahrungen mit Telearbeit in Form von Telearbeitsprogrammen an andere Firmen verkaufen zu können.
Zweifellos werden Unternehmen Telearbeit auch im Hinblick auf eine Steigerung des Gewinns durch Steigerung der Arbeitsproduktivität und/oder Kostenreduzierung erwägen.
Gleichwohl trifft es ebenso zu, daß der Anstoß zu Telearbeit in vielen Firmen zunächst aus den Bedürfnissen der Angestellten resultiert. Wie soll ein Unternehmen reagieren, wenn z. B. ein Mitarbeiter in einer Schlüsselposition aus familiären Gründen zum Wohnortwechsel gezwungen ist und daher um eine Weiterbeschäftigung als außerbetrieblicher Angestellter bittet? Welche Antwort soll einer weiblichen Angestellten erteilt werden, die nach Ende ihres Mutterschaftsurlaubs um eine größere Flexibilität ihrer Beschäftigung bittet? Und was ist, falls das Unternehmen die Formalisierung bereits bestehender informeller Vereinbarungen anstrebt, die z.B. die Tätigkeit von erfahrenen Mitarbeitern betreffen, die zu Hause Berichte erstellen, um ungestört arbeiten zu können?
Telearbeit beinhaltet potentielle Vorteile sowohl für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Für den einzelnen Arbeitnehmer kann der Nutzen folgender sein:
Genauso ergeben sich für den Arbeitgeber mögliche Vorteile. Diese können beinhalten:
Dennoch können auch Nachteile entstehen. Darunter fallen mögliche Probleme des Managements bzw. der Führung bei der Integration außerbetrieblicher Mitarbeiter in die Organisation, technische Schwierigkeiten (z.B. die Anpassung der IT- und Telekommunikationstechnologien an die Bedürfnisse der Telearbeiter), Qualifikationsaspekte sowie ganz einfach das Risiko, daß sich die Investitionskosten für die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes als zu hoch erweisen.
Mit anderen Worten: ein umsichtiger Unternehmer wird vor einer voreiligen Umsetzung eines Telearbeitsprogrammes ein ausführliches Arbeitskonzept einschließlich einer Kosten-Nutzenanalyse ausarbeiten.
Zu beachtende organisatorische Aspekte sind hierbei:
Die im Zusammenhang mit der Einführung von Telearbeit entstehenden Kosten sind:
Dabei sollten Firmen sich jedoch auch bewußt darüber werden, daß Telearbeit nicht notwendigerweise Heimarbeit bedeutet. Vielmehr gibt es weitere Möglichkeiten, die in manchen Situationen vorzuziehen sein dürften. Dies wäre etwa die Gründung eines firmeneigenen Satellitenbüros oder die Nutzung einer der mittlerweile zahlreichen Telezentren sowie Nachbarschaftsbüros für die Telemitarbeiter. Unter Umständen kann es auch möglich sein, bisher im Firmenbüro Beschäftigte in mobile Mitarbeiter zu verwandeln, ausgestattet mit entsprechender Informations- und Telekommunikationstechnik, die eine Arbeit im Auto, Hotel oder den Räumen der Firmenkunden erlaubt.
Was auch immer das ausschlaggebende Motiv ist, das Thema Telearbeit auf die Tagesordnung einer Firma zu setzen, die meisten Firmen werden sinnvollerweise einer ähnlichen Vorgehensweise bei der eventuellen Implementation folgen. In vielen Fällen wird dabei Telearbeit zunächst in Form eines Pilotprojektes eingesetzt werden, bevor sie dann vielleicht auf die ganze Organisation bzw. Abteilungen ausgeweitet wird.
1. Anfängliche Überlegungen
Im Verlauf dieses frühen Stadiums wird die vornehmliche Aufgabe darin bestehen, sich einen allgemeinen Überblick über das geplante Telearbeitskonzept und die konkrete Zielsetzung der einzelnen Schritte, die für eine erfolgreiche Implementation von Telearbeit erforderlich sein werden, zu verschaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt wird deshalb nicht unbedingt eine verbindliche Vereinbarung formuliert sein, die als Grundlage für die weitere Entwicklung dienen kann.
Einige der folgenden Fragen können nun relevant sein:
Vorausgesetzt die Entscheidung ist zugunsten einer weitergehenden Untersuchung der Telearbeitspotentiale getroffen worden, so sollte in einem zweiten Schritt nun eine kleinere Arbeitsgruppe oder ein Projektteam gebildet werden, um den Vorschlag detaillierter auszuarbeiten. Eines der Mitglieder sollte als Gesamtkoordinator der Gruppe fungieren.
Zu diesem Zeitpunkt sollte zudem eine oder auch mehrere Person(en) des Seniormanagements bestimmt werden, der/die dem Konzept gegenüber aufgeschlossen ist/sind und die bereit ist/sind, als „Telearbeits-Champion" innerhalb des Unternehmens zu agieren.
Dabei können u. a. folgende Fragen auftreten:
Die intensive Arbeit der Erforschung und Entwicklung eines Telearbeitskonzepts beinhaltet die detaillierte Untersuchung in verschiedenen Schlüsselbereichen.
Geht man nun davon aus, daß die Firma zu der Entscheidung gelangt ist, das vorgeschlagene Telearbeitsprogramm umzusetzen, so ist im nächsten Schritt eine differenzierte Prüfung zusammen mit den Angestellten (und möglicherweise externen Beratern) und anschließend eine ausführliche Diskussion der Vertragsinhalte der einzuführenden Telearbeit erforderlich.
Die Funktion engagierter Mitarbeiter kann dabei höchst vielfältig sein und beispielsweise in der Erstellung von Firmenzeitungen und Planung von Veranstaltungen bestehen. Die Belegschaft besitzt das Recht auf eine grundsätzliche Erläuterung von Telearbeit, der Grundlagen, auf welcher die Firma die Möglichkeit zu Telearbeit anzubieten plant, möglicher Vor- wie auch Nachteile für den Einzelnen und des konkreten Ablaufs der Auswahl der ersten Telearbeitern.
In diesem Stadium werden deutliche Antworten auf
eine Vielzahl detaillierter Fragen gefordert sein. Nachstehend einige zu
klärende Hauptfragen:
Technische Aspekte
Einige Unternehmen entscheiden sich für die Einführung von Telearbeit in Form einer firmenweiten oder sogar branchenweiten kollektiven Vereinbarung mit dem Betriebsrat oder den Gewerkschaftsvertretern. Andere dagegen verhandeln jeweils individuell mit dem von Telearbeit betroffenen Mitarbeiter. Beide Vorgehensweisen werden viele gleichartige Fragen aufwerfen, die zur beiderseitigen Zufriedenheit gelöst werden müssen.
Beschäftigtenstatus
Arbeitsort(e)
Haftung
Während die Freiwilligkeit der Teilnahme an Telearbeit ein allgemein anerkannter Grundsatz ist, heißt dies andererseits nicht unbedingt, daß der Arbeitgeber allen Mitarbeitern die Teletätigkeit gestatten muß. Die Auswahl von Telearbeitern, insbesondere für ein Pilotprojekt, ist sehr wichtig und sollte daher äußerst sorgfältig vorgenommen werden.
Die Entscheidung, ob ein Mitarbeiter Telearbeit leisten soll oder nicht, wird in hohem Maß von seiner Arbeitsaufgabe abhängen. Forscher oder Softwareentwickler etwa können ihren Arbeitsort relativ flexibel wählen, vergleicht man dies mit der Tätigkeit im Empfang o. ä.
Der Arbeitgeber wird auch sichergehen wollen, daß die Telebelegschaft zur Eigenmotivation in der Lage ist und auch ohne die übliche informelle soziale Interaktion mit den Firmenkollegen zurechtkommt. Aus diesem Grunde erlauben viele Arbeitgeber auch neuen Mitarbeitern Telearbeit erst nach Ablauf einer bestimmten Dauer der Betriebszugehörigkeit (wenigstens ein Jahr hat sich hierbei als meist sinnvoller Zeitraum erwiesen).
Die Auswahl wird zumeist von den Linienvorgesetzten vorgenommen. Einige der wichtigsten Fragen, welche dem künftigen Telearbeiter gestellt werden sollten, finden sich im folgenden:
Einstellung zu Telearbeit
Nach der Auswahl der teilnehmenden Mitarbeiter wird meist eine Vorbereitung bzw. Weiterbildung für die Teletätigkeit erforderlich sein.
Dies bedeutet vor allem die Einarbeitung mit der
neuen technischen Ausstattung (wie z. B. E-mail, Videoconferencing, ISDN).
Darüber hinaus kann es jedoch auch sinnvoll sein, einige psychologische
Aspekte anzusprechen, mit denen der künftige Telearbeiter konfrontiert
sein wird (etwa die Angst zunehmender sozialer Isolation, Verlust des Kontakts
zu Kollegen und Vorgesetzten, familiäre Probleme).
8. Einführung eines Pilotprojektes und seine begleitende Überwachung
Schließlich wird das Telearbeitsprogramm tatsächlich umgesetzt. Wenngleich dies das Ende einer Reihe von Untersuchungen und Vorbereitungen bedeutet, ist jetzt keinesfalls der Zeitpunkt gekommen, sich zurückzulehnen und abzuwarten. Im Gegenteil ist die Überwachung von Erfolg oder Mißerfolg des Programmes ein ganz wesentlicher Arbeitsschritt.
Einige der nun vor allem relevanten Fragen sind:
Nachdem das Pilotprojekt einige Zeit angelaufen ist (denkbar wäre ein Zeitraum von ca. einem Jahr) bzw. das vorab festgelegte Ende der Pilotphase erreicht ist, sollte eine schriftliche Auswertung durchgeführt werden. Diese sollte all jene Aspekte wieder aufgreifen, die bei der ersten Entscheidung für Telearbeit formuliert worden waren, und sie nun mit Hilfe der gewonnenen Erfahrungen erneut diskutieren. Zudem sollte eine aktuelle Kosten-Nutzenanalyse vorgenommen werden.
Eine solche Auswertung kann in Form von Fragebögen, Interviews und Arbeitsgruppen durchgeführt werden. Dabei müssen nicht nur die Bewertung der teilnehmenden Telearbeiter, sondern ebenso die der nicht-telearbeitenden Kollegen, die im Firmenbüro verbleiben, analysiert werden.
Am Ende dieses Prozesses wird sich eine letzte Frage stellen:
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